• Iris

CTG schreiben - die leidigen Herztöne

Er kickt, er strampelt und boxt was das Zeug hält. Junior denkt überhaupt nicht daran, entspannt in meinem Bauch zu liegen. In meiner aktuellen Schwangerschaft habe ich insgesamt nur drei CTGs schreiben lassen - und jedesmal war es schwierig, weil der Kleine nicht so wollte, wie die Ärzte. Jetzt weiß ich wieder, warum ich das in der ersten Schwangerschaft schon nicht mochte.


Bewegt sich das Kind zu stark, steigen die Herztöne in der Kardiotokografie (CTG) sehr stark an. So auch bei uns heute. Das sieht auf dem Diagramm, das die Herztöne des Kindes auf einer Art Skala verzeichnet, fast schon patholigisch aus, sagt meine Frauenäztin. Sie sagt zwar, das kann vorkommen. Trotzdem darf sie mich aus Versicherungsgründen erst gehen lassen, wenn ein "schönes" - also "normales" - CTG vorliegt. Also liege ich mehr als eine geschlagene Stunde mit zwei Kabeln am Bauch auf der Liege, starre die Wand an, höre auf die Töne des Gerätes und das gallopierende Herz meines Kindes. Natürlich beunruhigt mich das jetzt ein bisschen und das hilft nicht gerade dabei, dass Junior sich entspannt. Dabei sagt mir mein Bauchgefühl - und auch mein Verstand - dass zu 99 Prozent sicherlich alles gut ist. Am Ende war es das auch.


Die anderen beiden Male hat Junior beim CTG geschlafen, weshalb die Herzfrequenz zu langsam war. Auch diesmal musste ich lange liegen und warten, das Kind wecken mit ein bisschen Kitzeln am Bauch und durch Limettenöl, an dem ich schnuppern soll.


Mit der Kardiotokografie (also dem Schreiben von CTGs) werden unter der Geburt und in der Vorsorge die Kontraktionen der Gebärmutter gemessen, außerdem die Herzfrequenz des Kindes und seine Bewegungen. Letztere sollen gut zusammen passen. Ist das Kind wach und bewegt sich, darf die Herzfrequenz steigen, bewegt es sich weniger, ist die Herzfrequenz geringer und schläft daher wahrscheinlich.


Die Vermessung unserer Kinder noch vor Geburt ist natürlich eine Errungenschaft der Moderne. Sie kann eine Unterversorgung des Kindes, Herzfehler oder ähnliches schon im Mutterleib aufdecken und hat damit sicher schon vielen Kinder das Leben gerettet. Gleichzeitig setzt sie auch unter Druck. Und besonders solche Mütter wie mich, die sich schnell Sorgen machen.


In meiner zweiten Schwangerschaft habe ich mich für eine Praxisgeburt mit meinen Hebammen entschieden und daher fast die komplette Vorsorge mit ihnen gemacht. Ein CTG schreiben sie nur, wenn ich von Beschwerden berichte, die eine Überprüfung notwendig machen. Und erst dann täglich, sobald der errechnete Geburtstermin überschritten ist. Ansonsten hören sie mit dem Dopton - ein kleines elektronisches Hörrohr - das sie kurz an den Bauch halten. Es zeigt die Herzfrequenz auf einem kleinen Display. Das ist eine Sache von wenigen Minuten. Keine nervigen Kabel, keine Sonde, die mit einem Gürtel an meinem 110 Zentimeter großen Bauch geschnallt ist und bei jeder kleinsten Bewegung verrutscht, so dass die Töne noch schlechter werden. Kein langes Lauschen von mir auf den Herzrhythmus, ob denn nun alles passt.


Das ist ein ganz neues Gefühl. Ich höre stärker in mich hinein, ich bin einfach zuversichtlicher. Ich bin guter Hoffnung. Das ist ein schönes Gefühl.

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