• Iris

Meine Erfahrung mit der Louwen-Ernährung

Aktualisiert: 31. Mai 2021

Als hätten wir Schwangere nicht schon genug um die Ohren! Zwischen Elterngeldantrag, täglicher Hypnose-Übung und Akupunktur versuche ich gerade aktuell auch noch wie ein Fuchs aufzupassen, was ich esse. Denn eine bestimmte Ernährung in den letzten Wochen vor dem Entbindungstermin soll die Geburt erleichtern und weniger schmerzhaft machen.

Die Louwen-Diät benennt sich nach dem Leiter der Geburtshilfe und Pränatalmedizin an der Frankfurter Uniklinik, Dr. Dr. h.c. Frank Louwen - Er ist auch Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Ein Medizin-Promi sozusagen. Vor Corona hielt er alle paar Wochen einen schmissigen Vortrag zum Thema Geburt, den ich werdenden Eltern ans Herz legen kann, wenn sie in der Gegend wohnen. Dort erklärt er sehr kurzweilig das Zusammenspiel von Hormonen unter der Geburt und den Ablauf. Darin berichtet er, dass Frauen in Industrienationen stärker zur Übertragung ihrer Baby neigen. Seine Hypothese: die Ernährung spielt dabei eine wichtige Rolle.


Medizinische Hintergründe

In der Eröffnungshase der Geburt - also der Phase, in der sich der Muttermund von 0 auf 10 Zentimeter weitet - wirkt das Hormon Prostagladin. Der Embryo sendet diese Botenstoffe, sobald er außerhalb des Mutterleibes lebensfähig ist. Damit es gut wirken kann, muss der Körper vor der Geburt genügend Rezeptoren am Muttermund dafür gebildet haben. Die Prostaglandine können dann den Gebärmutterhals verkürzen und machen den Muttermund weich.


Allerdings passt auf die selben Rezeptoren auch der Botenstoff Insulin. Insulin bildet der Körper, wenn er Blutzucker abbaut. Wenn die Prostaglandine nicht andocken können und frei im Blutschwimmen, verursachen sie Schmerzen - denn das ist normalerweise ihre Aufgabe im Körper von nicht schwangeren Menschen.

Ziel der Ernährung ist es also, sehr hohe Blutzuckerspitzen im Körper zu vermeiden, damit nicht zuviel Insulin im Körper frei ist. Louwen empfiehlt, damit sechs Wochen vor Geburt zu beginnen, wenigstens aber 36 Stunden vorher (nur das weiß ja keiner so genau, wann es los geht!)

Um Blutzuckerspitzen zu vermeiden, eignen sich Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index. Der glykämische Index gibt an, wie schnell und wie hoch ein Lebensmittel den Blutzuckerspiegel steigen lässt. Zu dem Thema gibt es zahlreiche Tabellen, Diät-Bücher und Co, z.B. unter dem Stichwort Glyx-Diät. Grob gesagt werden die Lebensmittel in ein Ampelsystem eingeteilt: grün ist ok, gelb nur wenig verzehren, rot heißt: lieber Finger weg.


Meine Taktik

Ich empfinde es als nervig, ständig nachzuschauen, welches Lebensmittel welchen Glyx-Index hat! Auch habe ich keine gute App für schnelle Checks gefunden. Und ein ganzes Kochbuch wollte ich auch nicht extra kaufen. Deswegen habe ich mir ein paar Basics rausgesucht, an denen ich mich entlang hangele. Ich nehme die ganze Sache daher nicht allzu streng, sondern versuche mich einfach gesund zu ernähren. Mit den folgenden Grundregeln achte ich aktuell auf meine Ernährung.


Vorsicht Getreide!

Vor allem stark verarbeitete Weizenweißmehlprodukte haben einen sehr hohen Index. Ich meide Weizen daher komplett.

Im Zweifel immer auf Vollkornvarianten zurückgreifen, das gilt auch für z.B. Dinkel oder Reis. Naturreis schneidet besser ab, als der weiße.

Zum Abendbrot habe ich nun auf Pumpernikel umgestellt, das gerade so noch einen niedrigen glykämischen Index hat. Schau beim Kauf genau auf die Zutatenliste, ob wirklich nur Roggen und Salz drin ist. Es gibt ein paar regionale Rezepte, in denen Zucker/ Rübensirupenthalten ist. Gerstenvollkornbrot ist auch ok.

Bei Nudeln gehen Vollkornspagetti - aber nur al dente. Oder Buchweizenudeln.


Aber was macht mich dann satt?

Als Sättigungsbeilage koche ich nun viele Hülsenfrüchte, z.B Linsen. Sie haben auch einen hohen Eisengehalt und sind deshalb wertvoll für die Ernährung in der Schwangerschaft. Außerdem geht auch Pseudogetreide, wie z.B Amaranth. Das kannst Du kochen und wie Reis verwenden. Bulgur ist auch noch gerade ok.

In Sachen Müsli sind Vollkornhaferflocken und gepuffter Amarant z.B. eine gute Basis fürs Frühstück.


Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte

könnt ihr verzehren wie gewohnt. Da ich Vegetarier bin, habe ich mich z.B. mit Wurstwaren allerdings nicht beschäftigt und kann euch nichts genaues dazu sagen.

Ich packe mir aktuell viel Hüttenkäse und Frühlingsquark in den Kühlschrank und pimpe damit meine Brotzeit. Für zwischendrin habe ich Ayran, Buttermilch oder (ungesüßten Natur-)Joghurt immer parat. Und da ich ein Käsefan bin, gibts den aktuell einfach besonders dick aufs Pumpernikel. Ein Omlett ist auch lecker.

Gemüse

Ist fast immer im grünen Bereich. Ausnahmen sind Kürbis, Pastinaken (rot) und Rote Beete und Süßkartoffeln (gelb). Karotten sind roh prima, gekocht im gelben Bereich.


Obst

ist in rauen Mengen erlaubt. Ich habe nun immer Äpfel und Birnen griffbereit. Und habe die Erdbeerzeit voll ausgekostet! Ausnahmen sind Bananen, Ananas, Aprikose, getrocknete Feigen,

Granatapfel, Kaki, Papaya, dunkle Weintrauben, getrockneten Datteln, Honigmelone, Wassermelone.


Fehlen mir die Süßigkeiten?

Dass Süßkram wie Kekse, Fruchtgummis, Waffeln, Kuchen, Chips, Limo und Schokolade im Zuge dieser Ernährung nicht geboten sind, dürfte jedem einleuchten. Erstaunlicher Weise fällt es mir nicht so schwer, weißen Zucker wegzulassen - obwohl ich eigentlich ein echter Schokoholic bin. Es ist ja eine wirklich kurze Zeit. Wichtig ist es für mich, nichts Süßes zuhause zu haben! Wenn ich einen Hieper habe, schlecke ich weißes Mandelmus oder mache mir einen Joghurt mit Kakao (der zum Backen ohne Zucker drin). Zum Knabbern habe ich immer Nüsse da (gehen alle!), getrocknete Aprikosen (eigentlich schon orange glykämische Ladung) und Linsenwaffeln von Alnatura griffbereit (die finde ich irgendwie mega lecker).

Notfalls ginge (je nach Tabelle) auch Bitterschokolade (glykämischer Index grün, glykämische Last orange). Da ich aber weißen Zucker einfach grundsätzlich weglasse, kommt für mich aktuell nur die Lindt 99 % Bitterschokolade in Frage. Seitdem ich aus der Blutzucker-Spirale raus bin, vermisse ich Süßes nicht mehr so.




Amaranth

Amarant hat einen nussigen Geschmack, ich habe viel Käse reingerührt, dann wird es ein bisschen wie Risotto. Dazu mache ich mir oft eine bunte Gemüsepfanne - bisschen anbraten mit Zwiebeln und fertig. Weil ich kein Fleisch esse, gibt es oft gebratenen Halloumi dazu.

Ich koche gleich ein bisschen mehr Amaranth und mache am nächsten Tag daraus Bratlinge. (Amaranth mit Eiern und Gewürzen anrühren, ausbacken, fertig).


Bulgur: Lecker als Topping für Salate! Auch als Beilage zu einem klassischen Gericht mit Fleisch oder Fisch lecker.



Rezepttipps:

Linsen Zuchini-Auflauf

https://www.chefkoch.de/rezepte/351301120483436/Glyx-Linsen-Zucchini-Auflauf.html

Ich habe die Linsen nicht eingeweicht. Als Gewürze habe ich eine Zehe Knoblauch und eine Gewürzmischung Banencurry verwendet.


Sizilianischer Spinat

https://eatsmarter.de/rezepte/sizilianischer-spinat


Lachs mit Pak Choi

https://eatsmarter.de/rezepte/gebratener-lachs-mit-pak-choi


Fazit

Bitte passt gut auf euch auf und ernährt euch gesund, ausgewogen und reichlich - die Schwangerschaft ist nicht der richtige Zeitpunkt für "Diäten" im klassischen Sinne und ich finde, man sollte sich nicht zuviel Druck machen bei dem Thema. Wenn ihr Weißmehl und Zucker in den Wochen vor der Geburt weglasst, ist auch schon einiges getan. Viel mehr habe ich in meiner ersten Schwangerschaft auch nicht gemacht - und die Schmerzen waren aushaltbar für mich. Deswegen mache ich es jetzt bei der zweiten wieder, habe mich aber diesmal ein bisschen tiefer damit befasst. Ich bin gespannt, wie es wird! Falls ihr bereits mit Esstörungen zu kämpfen hattet, ist die Louwen-Ernährung vielleicht eher gar nichts für euch. Seid bitte achtsam mit euch <3


Und selbst Louwen sagt: Wenn einmal an der Torte kein Weg vorbei geht, dann einfach danach schön lange spazieren gehen. Das senkt den Blutzuckerspiegel nämlich auch ratz-fatz wieder.

Nachtrag:

Ich hatte eine super schnelle und wunderbare zweite Geburt. Die Eröffnungsphase hat gerade einmal 2,5 Stunden gedauert. Schmerzmittel habe ich keine gebraucht. Das kann natürlich auch damit zu tun haben, dass ich zusätzlich mit der Hypnose-Methode "die friedliche Geburt" von Kristin Graf gearbeitet habe. Dazu schreibe ich euch bald nochmal einen seperaten Beitrag :-)


Quellen:

Vortrag von Dr Louwen (gehört 2017)

Podcast "Die Friedliche Geburt" von Kristin Graf - Folge 74

https://fet-ev.eu/glykaemischer-index-ballaststoff-index/2/

https://fet-ev.eu/glykaemischer-index-ballaststoff-index/

https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwikm-TQuNzqAhVPUZoKHaFeBh4QFjACegQIAxAB&url=https%3A%2F%2Fwww.die-glyx-diaet.de%2Fmedia%2Fdownloads%2FDokumentegro%25C3%259F%2FGU-Glyxtabelle.pdf&usg=AOvVaw1SOzavSqeeV1iqK2ZyekhC


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